Hightech gegen Corona: Virologe erklärt Chancen der modernen Labormedizin

Hightech gegen Corona: Virologe erklärt Chancen der modernen Labormedizin
Im Kampf gegen Corona gelten sichere Testverfahren als entscheidende Waffe – insbesondere, weil nach wie vor weder ein Impfstoff noch
massentaugliche Medikamente gegen die Infektionskrankheit Covid-19 zur Verfügung stehen. Wie funktionieren Antikörper-Tests ? Welche Chancen entstehen durch breitere Testung?
Mediziner unterscheiden zwei Test-Varianten

Mit der sogenannte PCR-Methode lässt sich anhand eines Nasen- und Rachenabstrichs eine akute Ansteckung mit dem Sars-CoV-2-Virus nachweisen. Zum anderen gibt es das sogenannte ELISA-Verfahren, das Antikörper im Blut enttarnt. Sie liefern Aufschluss darüber, ob der Getestete bereits eine Corona-Infektion hinter sich hat – oft ohne es zu wissen.

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„Von solchen Antikörper-Tests erhoffen wir uns wertvolle Erkenntnisse, die uns sowohl bei der Verbesserung der Schutzmaßnahmen als auch bei der Therapie einen wichtigen Schritt voranbringen könnten“, berichtet Professor Dr. Uwe Gerd Liebert, Direktor des Institut für Virologie der Leipziger Universitätsklinik. Er erklärt, welche Chancen seriöse Antikörper-Tests bieten.

Nicht alle Patienten bilden Antikörper gegen Sars-CoV-2-Viren

Obwohl die Pandemie in Deutschland bislang vergleichsweise glimpflich verlaufen ist, kennt das Sars-CoV-2-Virus keine Grenzen. Nach Informationen der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität mit Sitz in Baltimore sind mittlerweile mehr als sieben Millionen Infektionen festgestellt worden1. Doch Experten rechnen mit einer erheblichen Dunkelziffer. Wie viele Menschen tatsächlich eine Infektion überstanden haben, ist eine der Fragen, die Experten wie Professor Dr. Uwe Gerd Liebert umtreibt. „Nach einer überstandenen Infektion haben Patienten eine große Chance, zumindest für eine gewisse Zeit eine Immunität gegen das Virus zu entwickeln. Es gibt zwar keine absolute Sicherheit, aber die Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa 80 bis 90 Prozent“, erklärt der Virologe. Denn nur bestimmte Antikörper können eine erneute Ansteckung verhindern, indem sie die Sars-CoV-2-Viren ausschalten.

Sie werden in den meisten Fällen nach einer Infektion gebildet, aber eben nicht immer – das kristallisiert sich bei der Nachbetreuung von geheilten Covid-19-Patienten immer klarer heraus. Etwa zehn bis 20 Prozent haben andere Corona-Antikörper im Blut, die leider keine Wirkung speziell gegen SARS-CoV-2 entfalten. Neutralisierende Antikörper sicher aufzuspüren, wäre im Masseneinsatz zu aufwendig. „Das ist nur in einigen wenigen Hochsicherheitslaboren möglich und dauert etwa eine Woche“, erklärt Liebert.

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Wesentlich effektiver sind die sogenannten ELISA-Tests. „Hier liegen die Ergebnisse bereits nach etwa zwei bis zweieinhalb Stunden vor“, fügt der Virologe hinzu, der gemeinsam mit seinem Forscherteam an der Uni Leipzig die Angebote von sieben verschiedenen Herstellern analysiert. Dabei schnitt der Antikörper-Test des weltweit operierenden US-Gesundheitsunternehmens Abbott mit am besten ab.

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„Er wies in unserer Studie eine sehr hohe Genauigkeit auf.“ Die Zuverlässigkeit eines Tests wird mit den beiden Begriffen Spezifität und Sensitivität bewertet. Dabei steht die Sensitivität praktisch für die Erkennungsrate. Sie beziffert, wie viel Prozent der Infektionen tatsächlich nachgewiesen werden. Die Spezifität gibt – vereinfacht erklärt – die Fehlerquote an. Genauer gesagt beschreibt sie, wie viele Gesunde fälschlicherweise als infiziert bewertet werden. Eine Spezifität von 95 Prozent bedeutet beispielsweise, dass bei fünf von 100 Getesteten irrtümlich Antikörper angezeigt werden. Um insbesondere sogenannte falsch positiven Befunde aufzuspüren, haben die Leipziger Forscher die Antikörper-Tests bei etwa 300 Blutproben von Patienten mit anderen Atemwegserkrankungen angewandt. Der Abbott-Test zeigte dabei bislang kein einziges falsches Ergebnis an.

Krankenkassen übernehmen die Kosten

Bei der Anwendung des Tests wird zunächst das Serum – also die flüssigen Blutbestandteile – in eine Testplatte gegeben. Sind Antikörper im Serum enthalten, erfolgt eine physiko-chemische Reaktion. Es entwickelt sich eine Farbreaktion, sodass der Spezialist im Labor das Ergebnis auf einen Blick sehen kann.
Mittlerweile werden derartige Tests von den Krankenkassen bezahlt. Je mehr Menschen dieses Angebot nutzen, desto besser können Wissenschaftler den Anteil der Menschen schätzen, die sich bereits mit SARS-CoV-2 infiziert haben. Experten wie Liebert gehen von einem einstelligen Prozentsatz aus – viel zu wenig, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Nötig wären 60 bis 70 Prozent, dann würde das Virus allmählich von selbst aus der Gesellschaft verschwinden.

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Unabhängig davon könnten Antikörper-Tests entscheidend mithelfen, um die Sicherheit beispielsweise in Pflegeheimen oder Kliniken zu erhöhen. Das gilt sowohl für die Patienten als auch für die Beschäftigten selbst, da ein bereits genesener Mitarbeiter ein geringeres Infektions- und Verbreitungsrisiko hätte. Zudem können Wissenschaftler mithilfe von Antikörper-Tests wie denen von Abbott potenzielle Blutplasma-Spender herausfiltern. „Ihre Antikörper dienen dann möglicherweise dazu, akut an Covid-19 erkrankte Patienten zu behandeln“, erläutert Liebert. Erste Heilversuche an Unikliniken laufen bereits.

Über Abbott

Abbott ist ein weltweit führendes Gesundheitsunternehmen, das Menschen in allen Lebens-phasen zu einem vitaleren, gesünderen Leben verhilft. Daran arbeiten täglich mehr als 107.000 Mitarbeiter in 160 Ländern.

Lesen Sie hier einen  interessanten Beitrag zum Thema Corona vom Bestseller- Autor Bernhard Moestl.