Im Zentrum des Musicals „Wir sind am Leben“ stehen die Geschwister Nina und Mario sowie ihre Mutter Rosi, eine schillernde und selbstbewusste Figur aus Wittenberg. Die Geschichte beginnt wie ein familiäres Drama, entwickelt sich aber schnell zu einer tiefgründigen, bewegenden Erzählung über Herkunft, Sehnsucht und das Ringen um Freiheit in einer Zeit des Umbruchs. Bei der Premiere im Stage Theater des Westens wurde das Publikum von Anfang an mitgerissen. Im Theater jubelten 1.600 Gäste, lachten, weinten und tauchten vollkommen ins 90er-Feeling ein.
Wir waren live dabei und haben 90er-Power und pure Gänsehaut-Momente erlebt.
Familiendrama mit viel Herz und Humor

Im Zentrum des Berlin Musicals der 90er „Wir sind am Leben“ stehen die Geschwister Nina (Celina dos Santos) und Mario (Markus Spagl) und ihre Mutter Rosi (Steffi Irmen). Rosi ist alles andere als langweilig: schillernd, laut, übergriffig und selbstbewusst inszeniert sie sich als „Udo Walz des Ostens“. Ihr Reich, der legendäre „Salon Rosie“, ist ein wilder Ort zwischen Haarspray, Größenwahn und zerbrechlichen Sehnsüchten. Was wie ein einfaches Familiendrama beginnt, entfaltet sich schnell zu einer packenden, emotionalen Geschichte über Herkunft, Sehnsucht und das Streben nach Freiheit in turbulenten Zeiten.
Regie, Timing und Spielfreude
Für Buch und Regie sind Franziska Kuropka und Lukas Nimscheck verantwortlich. Mit feinem Gespür für Timing und Ton lassen sie jede Szene lebendig werden. Die Figuren wirken so echt, dass man jeden Moment mit ihnen miterlebt, mal zart, mal explosiv, mal voller Energie. Man spürt sofort die Leidenschaft, Hingabe und Arbeit, die in die Songs, die Geschichte und die gesamte Inszenierung geflossen sind.
Musik, die unter die Haut geht

Die Musik von Peter Plate, Ulf Leo Sommer und Joshua Lange sprüht vor Energie und transportiert das Gefühl der 90er direkt ins Publikum. Jeder Song geht direkt ins Herz und bringt einen sofort dazu, im Rhythmus mitzuwippen, während man lacht, mitsingt und für einen Moment alles um sich herum vergisst.

Jörn Felix Alt als Bruno geht besonders unter die Haut. Als Mann, der mit HIV lebt, zeigt er eine große Verletzlichkeit, die sofort berührt. Man wird still, weil man alles spürt, ohne dass etwas erklärt werden muss. Intensiver kann Theater kaum sein.
Humor, Leichtigkeit und Lebensfreude
Trotz der schweren Themen ist die Leichtigkeit bemerkenswert. Selten lacht man im Theater so viel und geht gleichzeitig mit so vielen Emotionen nach Hause. Das Musical “Wir sind am leben” erzählt von HIV, Aids, Wiedervereinigung, Verlust und Sehnsucht und schafft es, diese Themen mit einer Haltung zu verbinden, die trägt statt belastet. Humor ist hier keine Ablenkung, sondern eine Kraft: befreiend, verbindend, menschlich.
Tanz als Ausdruck von Erinnerung
Auch die dynamische Choreografie von Jonathan Huor strotzt vor Energie und macht die Geschichte erst richtig lebendig. Jede Bewegung erzählt von Aufbruch, Widerstand und Erinnerungen an die 90er.

Bei „Supernovadiscoslut“ springt die Energie sofort auf das Publikum über. Plötzlich singen, klatschen und tanzen alle mit, und Bühne sowie Zuschauerraum verschmelzen zu einem einzigen Moment voller Freude und Erinnerungen. Und Ninas Interpretation des Rosenstolz-Klassikers „Die Schlampen sind müde“ verwandelt den Saal in ein echtes Konzert: man singt mit, wippt im Takt und verliert sich völlig in der Musik. Am Ende bricht der ganze Saal in Jubel aus, und die Standing Ovations lassen den Raum förmlich erzittern.
Steffi Irmen als Rosi: Chaos mit Herz
Mit ihrer unverwechselbaren Stimme zieht Steffi Irmen das Publikum vom ersten Moment an in ihren Bann. Sie sprüht nur so vor Energie, und ihre Figur wirkt so echt, dass man völlig vergisst, dass hier gespielt wird. Die Mischung aus Größenwahn, Verletzlichkeit und scharfem Humor machte Rosi zu einer elektrisierenden Präsenz und zum unangefochtenen Mittelpunkt des Abends.
Besonders ihr Song „Salon Rosie“ setzte einen weiteren Höhepunkt des Abends. Am Premierenabend saß sogar Katharina Witt im Publikum, ein charmantes Detail, das die Magie des Moments noch verstärkte. Die Geschichte, dass Rosi angeblich Witts berühmten Haarschnitt erfunden haben soll, unterstreicht den fast schon legendären Charme der Figur.
Tickets und Infos
Ticketpreise: ab 39,99 Euro
Adresse: Stage Theater des Westens, Kantstraße 12, 10623 Berlin
Spielzeit: bis Dezember 2026
Ein Abend, der ins Herz geht
Ein Musical, das einfach jedes Herz mitreißt. Gänsehaut-Momente wechseln sich ab mit Momenten purer Fröhlichkeit. „Wir sind am Leben“ weckt Erinnerungen an die wilden 90er, bringt Glücksgefühle und pure Lebensenergie auf die Bühne. Man lacht, singt mit, tanzt fast selbst mit und am Ende wünscht man sich nur eins: diesen Abend unbedingt noch einmal erleben.
Einstiegsbild: ©Joern Hartmann
HIER finden Sie weitere Veranstaltungstipps.





