Oregano gehört zu den Kräutern, die wir meist ganz selbstverständlich verwenden. Ein wenig davon auf Tomaten, Pasta oder Ofengemüse – und sofort liegt ein Hauch von Mittelmeer in der Küche. Doch hinter dem aromatischen Kraut steckt mehr als sein unverwechselbarer Geschmack. Oregano enthält eine Vielzahl pflanzlicher Inhaltsstoffe, die seit Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen sind.

Besonders spannend wird der Blick auf Oregano dort, wo Kräuter seit Generationen zum täglichen Leben gehören: in Griechenland. Auf Ikaria, einer der sogenannten Blue Zones, werden heimische Kräuter traditionell genutzt und als Teil der mediterranen Lebensweise geschätzt. Auch auf Kreta gehören Wildkräuter und aromatische Pflanzen seit jeher zur regionalen Küche.

Doch kann ein Küchenkraut tatsächlich etwas für unsere Gesundheit tun? Was davon ist wissenschaftlich belegt und was gehört eher zur traditionellen Pflanzenkunde?

Oregano: Ein Kraut mit langer Geschichte

 

Oregano ist eng mit der mediterranen Küche verbunden. Sein würziges, leicht herbes Aroma gehört zu Tomatengerichten, Pasta, Gemüse, Fisch und natürlich zur Pizza. Botanisch zählt Oregano zur Familie der Lippenblütler und ist damit unter anderem mit Thymian, Rosmarin, Salbei und Majoran verwandt.

Die bekannteste Art ist Origanum vulgare, der Gemeine Dost. Die mehrjährige Pflanze liebt Sonne, Wärme und eher trockene Böden und wächst in weiten Teilen Europas und des Mittelmeerraums. In Griechenland und anderen mediterranen Ländern wird sie seit Jahrhunderten gesammelt, kultiviert und als Gewürz verwendet.

Dabei gibt es nicht den einen Oregano. Unter dem Namen werden verschiedene Arten und Unterarten zusammengefasst, deren Zusammensetzung sich unterscheiden kann. Besonders bekannt ist der griechische Oregano, der häufig als Origanum vulgare subsp. hirtum bezeichnet wird. Auch Origanum onites, der Türkische Oregano, wird traditionell als Gewürzpflanze genutzt.

Diese Unterschiede sind nicht nur botanisch interessant. Sie können sich auch auf Aroma und Zusammensetzung der ätherischen Öle auswirken. Untersuchungen zeigen, dass sich die Anteile einzelner Verbindungen bei verschiedenen Oregano-Pflanzen deutlich unterscheiden können. Selbst innerhalb einer Unterart wurden unterschiedliche sogenannte Chemotypen gefunden.

Welcher Oregano landet im Einkaufskorb?

Wer Oregano im Supermarkt kauft, muss deshalb keineswegs auf ein minderwertiges Gewürz zurückgreifen. Allerdings verrät die Bezeichnung „Oregano“ auf der Verpackung meist wenig über Art, Herkunft oder Zusammensetzung der Pflanze.

Wer gezielt auf Qualität achten möchte, kann deshalb auf eine möglichst genaue Herkunftsangabe und sofern vorhanden auf die botanische Bezeichnung schauen. Griechischer Oregano ist dabei besonders interessant: In einer Vergleichsuntersuchung enthielt Origanum vulgare subsp. hirtum mehr ätherisches Öl und höhere Mengen bestimmter phenolischer Verbindungen als die untersuchte Unterart des Gemeinen Oregano. Auch das ätherische Öl unterschied sich deutlich in seiner Zusammensetzung.

Für den Einkauf bedeutet das jedoch nicht, dass ein bestimmter Oregano automatisch „gesünder“ ist. Die Zusammensetzung hängt unter anderem von Sorte beziehungsweise Chemotyp, Standort, Klima, Erntezeitpunkt und Verarbeitung ab. Auch Trocknung und Lagerung können die Eigenschaften des Gewürzes beeinflussen.

Ein intensiver Duft, eine nachvollziehbare Herkunft und eine lichtgeschützte Verpackung sind praktische Qualitätsmerkmale. Besonders aromatisch ist Oregano, wenn beim Öffnen der Packung noch deutlich ätherische Noten wahrnehmbar sind. Eine bestimmte Konzentration einzelner Inhaltsstoffe lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Was steckt im Oregano?

Die wissenschaftliche Aufmerksamkeit gilt vor allem den ätherischen Ölen und den sogenannten sekundären Pflanzenstoffen. Zu den bekanntesten Bestandteilen des Oreganoöls zählen Carvacrol und Thymol. Hinzu kommen unter anderem verschiedene Terpene, Phenolsäuren und Flavonoide.

Wie diese Zusammensetzung konkret aussieht, kann erheblich variieren. In Untersuchungen verschiedener Origanum-Arten und -Chemotypen wurden beispielsweise sehr unterschiedliche Anteile von Carvacrol und Thymol gemessen. Genau diese natürliche Vielfalt ist einer der Gründe, weshalb Forschungsergebnisse zu Oregano nicht immer unmittelbar miteinander vergleichbar sind.

Auch Rosmarinsäure und weitere phenolische Verbindungen sind Bestandteil der Pflanze. Untersuchungen an griechischem und gewöhnlichem Oregano zeigen, dass sich auch bei diesen nicht flüchtigen Pflanzenstoffen Unterschiede zwischen Unterarten finden können.

Damit wird deutlich: Oregano besteht nicht aus einem einzelnen „Wirkstoff“. Seine Eigenschaften entstehen aus einer komplexen Mischung verschiedener Pflanzenstoffe.

Antioxidativ und antimikrobiell: Was die Forschung tatsächlich zeigt

Besonders gut untersucht sind die antioxidativen und antimikrobiellen Eigenschaften von Oregano beziehungsweise seinen Extrakten und ätherischen Ölen. In Laboruntersuchungen zeigen insbesondere Carvacrol und Thymol Aktivitäten gegenüber verschiedenen Mikroorganismen. Als ein möglicher Mechanismus gilt ihre Wechselwirkung mit den Zellmembranen von Mikroorganismen.

Auch antioxidative Eigenschaften wurden in zahlreichen Untersuchungen beobachtet. Dabei zeigte sich allerdings, dass die Ergebnisse von der chemischen Zusammensetzung des jeweiligen Oreganoöls und von der verwendeten Untersuchungsmethode abhängen. Ein Oreganoöl ist also nicht automatisch mit einem anderen vergleichbar.

Interessant ist das unter anderem für die Lebensmittelwissenschaft. Oreganoöl wird darauf untersucht, ob seine natürlichen Bestandteile das Wachstum bestimmter Mikroorganismen hemmen oder Oxidationsprozesse in Lebensmitteln beeinflussen können.

Für die Gesundheit des Menschen muss man die Ergebnisse allerdings vorsichtig einordnen. Viele der besonders deutlichen Effekte wurden mit konzentrierten Extrakten oder ätherischen Ölen im Labor beobachtet. Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass die übliche Menge Oregano auf dem Teller eine vergleichbare Wirkung im menschlichen Körper entfaltet. Für Carvacrol beispielsweise fehlten in einer umfassenden Übersichtsarbeit ausreichend klinische Studien am Menschen, um daraus belastbare therapeutische Aussagen abzuleiten.

Das schmälert das Interesse an Oregano nicht. Im Gegenteil: Es zeigt, wie vielschichtig die Pflanze ist und warum zwischen einem interessanten Forschungsergebnis und einem gesundheitlichen Versprechen sorgfältig unterschieden werden sollte.

Oregano und die Verdauung – zwischen Tradition und Wissenschaft

Oregano hat in der mediterranen Küche nicht nur wegen seines Aromas einen festen Platz. Traditionell wurden verschiedene Arten der Gattung Origanum auch als Kräuter für den Verdauungstrakt verwendet. In der Volksmedizin finden sich Anwendungen etwa nach üppigen Mahlzeiten oder bei vorübergehenden Verdauungsbeschwerden.

Diese traditionelle Verwendung ist interessant, sollte aber nicht mit einem wissenschaftlich belegten Therapieeffekt gleichgesetzt werden. Für viele der Anwendungen fehlen hochwertige klinische Studien, die eine eindeutige Wirkung beim Menschen bestätigen. Die Forschung beschäftigt sich zwar mit möglichen Einflüssen von Oregano und seinen Bestandteilen auf den Magen-Darm-Bereich, die Datenlage ist jedoch deutlich weniger eindeutig als die zahlreichen Laboruntersuchungen zu den Eigenschaften der Pflanze.

Eine Besonderheit liegt dabei in der Form der Anwendung. Ein wenig getrockneter Oregano über dem Essen ist etwas völlig anderes als ein konzentrierter Extrakt oder ätherisches Oreganoöl. Während das Gewürz Bestandteil einer normalen Mahlzeit ist, können konzentrierte Produkte wesentlich höhere Mengen einzelner Pflanzenstoffe enthalten. Deshalb lassen sich Ergebnisse aus Untersuchungen mit Extrakten nicht einfach auf die Küche übertragen.

Für den Alltag braucht es diese Konzentration allerdings auch nicht. Oregano kann ganz selbstverständlich dazu beitragen, abwechslungsreiche Gerichte aromatischer zu machen. Gerade in der mediterranen Küche werden Kräuter häufig großzügig eingesetzt und ermöglichen es, Speisen mit weniger Salz oder schweren Saucen geschmacklich interessant zu gestalten.

Und damit führt die Spur des Oregano zu einem Ort, an dem Kräuter seit Generationen einen festen Bestandteil des täglichen Lebens bilden: auf die griechische Insel Ikaria.

Ikaria: Was Oregano mit der Langlebigkeit der Insel zu tun hat

Ikaria gehört zu den Regionen, die in der internationalen Langlebigkeitsforschung besondere Aufmerksamkeit erhalten haben. Ein ungewöhnlich hoher Anteil der Bevölkerung erreicht dort ein sehr hohes Alter. Untersuchungen beschreiben dabei jedoch kein einzelnes Lebensmittel als Ursache, sondern ein ganzes Lebensmodell.

Die traditionelle Ernährung der Insel ist überwiegend pflanzlich geprägt. Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Olivenöl und Kräuter gehören ebenso dazu wie Fisch und andere regional verfügbare Lebensmittel. Hinzu kommen viel Bewegung im Alltag und enge soziale Beziehungen. Gerade dieses Zusammenspiel verschiedener Lebensgewohnheiten wird in Untersuchungen zu Ikaria immer wieder hervorgehoben.

Kräuter spielen dabei eine bemerkenswerte Rolle. Auf Ikaria werden verschiedene wild wachsende Pflanzen traditionell gesammelt und verwendet. Dazu gehören unter anderem Oregano, Salbei und Rosmarin. Einige dieser Kräuter werden nicht nur zum Würzen eingesetzt, sondern auch als Aufguss getrunken. Ethnobotanische Untersuchungen dokumentieren die große Bedeutung wild gesammelter Pflanzen für die traditionelle Ernährung der Insel.

Gerade hier entsteht eine spannende Verbindung zur modernen Forschung. Viele mediterrane Kräuter enthalten eine Vielzahl bioaktiver Pflanzenstoffe, die in Laboruntersuchungen interessante Eigenschaften zeigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Oregano für sich genommen die außergewöhnliche Lebenserwartung der Ikarier erklärt.

Die wissenschaftlich plausiblere Betrachtung ist umfassender: Oregano ist Teil einer Ernährungs- und Lebensweise, in der pflanzliche Lebensmittel, Kräuter, Bewegung und soziale Gemeinschaft seit Generationen selbstverständlich miteinander verbunden sind. Eine einzelne Pflanze lässt sich daraus nicht als Ursache für ein langes Leben ableiten.

Kreta: Wenn Kräuter zur mediterranen Lebensweise gehören

Auch auf Kreta haben Wildkräuter und aromatische Pflanzen traditionell einen festen Platz in der Küche. Die kretische Ernährung wurde bereits Mitte des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Seven Countries Study untersucht und gilt als wichtiger Bestandteil der Geschichte der modernen Ernährungsforschung.

Charakteristisch waren eine überwiegend pflanzliche Kost, Olivenöl als wichtiges Fett, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Getreide und Kräuter. Fleisch und bestimmte tierische Lebensmittel spielten traditionell eine geringere Rolle als in vielen westlichen Ernährungsweisen.

Kräuter erfüllten dabei eine praktische und kulinarische Funktion: Sie würzten einfache Lebensmittel und machten aus wenigen Zutaten abwechslungsreiche Gerichte. Oregano, Thymian, Rosmarin und verschiedene Wildkräuter gehören bis heute zum kulinarischen Bild der Insel.

Die Bedeutung des Oregano liegt deshalb möglicherweise weniger in einer einzelnen außergewöhnlichen Eigenschaft als in seiner Selbstverständlichkeit. Er ist ein Beispiel dafür, wie Kräuter in der mediterranen Küche nicht als Nahrungsergänzung, sondern als ganz normaler Bestandteil der täglichen Ernährung verwendet werden.

Genau diese Perspektive macht auch die Verbindung zu Ikaria interessant: Nicht ein einzelnes „Geheimnis“ steht im Mittelpunkt, sondern eine Ernährung, in der pflanzliche Lebensmittel und Kräuter seit Generationen eine wichtige Rolle spielen.

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